Mais als Direktsaat in einen Roggenbestand


Mais ist eine Pflanze, die einen hohen Energieertrag pro Hektar liefert und auch eine hohe Aufwuchsleistung an organischer Substanz in kurzer Zeit hat (C4-Pflanze), die wird von keiner anderen Pflanze in dieser kurzen Zeit erreicht. Die Bodenbedeckung der Maispflanze ist dabei aber auch eine der schlechtesten.

Mich störte schon immer am Mais, dass er so spät ausgesät wird, er so lange braucht bis er Reihenschluss hat und man nach der Ernte keine Zwischenfrucht mehr aussäen kann, damit der Boden über Winter bedeckt ist. Ein Kompromiss ist der Winterweizenanbau nach Mais, wobei das aber in meinen Augen dann auch keine ausreichende Bodenbedeckung darstellt. Bei Silomais ist das durch die frühere Ernte etwas einfacher als bei Körnermais. Die grossen Rückstände an Ernteresten bei Körnermais machen vor der Winterweizensaat ein Unterpflügen notwendig, was ich auch nicht gut finde. Ausserdem kann der Winterweizen den vorhandenen mineralisierten Stickstoff durch die kurze Vegetaionszeit nicht mehr aufnehmen, der Boden ist nur unzureichend bedeckt und der Regenwurm hat über die Wintermonate kein Futter an der Oberfläche.
Als ich dann noch beobachtet habe, dass sich in der Vegetationszeit zwischen den Maisreihen Moos bildet und dass der Boden Risse bekommt wenn es trocken ist, hat es mich endgültig dazu veranlasst, dass ich unser System des Maisanbaus überdenken musste.
Ein anderes Problem bei Mais ist, dass er sehr empfindlich auf Konkurrenz durch andere Pflanzen reagiert, deswegen kann man den Mais nicht so einfach mit Untersaaten aussäen wie ich es beim Getreide mache.

Die Versuche mit Mulch­saat haben mir zwar schon ganz gut gefallen, aber das war immer noch nicht befriedigend. Die Mulchdecke, die dann im Frühjahr noch übrig ist, ist mir noch zu wenig. Der Mais wird bei uns ab Ende April gesät. Da die Mulchsaat aber im Winter abfriert, ein Teil des Stickstoffes ausgewaschen wird und bis zur Maissaat keine grüne Pflanzendecke vorhanden ist, empfinde ich das als Verschwendung. Würde man Grünfutterroggen oder Weidelgras zur Silagegewinnung anbauen, hätte man vor dem Mais noch eine Ernte, das heisst, zwei Ernten in einem Jahr von einem Feld.

Da gefiel mir der Versuch von Manfred und Friedrich Wenz mit der Mulchsaat bzw. der Direktsaat schon sehr viel besser.
Nach der Hauptfrucht Roggen hatten sie wieder Winterroggen als Zwischenfrucht angebaut. Danach folgte im Frühjahr Sojabohne. Der Roggen kam bis zur Saat der Sojabohnen zum Ährenschieben. Roggen, wenn er in diesem Entwicklungsstadium niedergewalzt wird und der Halm dabei mehrmals abgeknigt wird, bleibt dann am Boden liegen und stirbt ab. Die Sojabohnen wurden dann als Direktsaat angebaut. Das Ergebnis hat mich wirklich beeindruckt, es ist das, was ich mir für den Maisanbau auch vorstelle.

Meinen Erstversuch nach dieser Methode habe ich auf einem 3 ha grossen Feld nach der Vorfrucht Winterweizen bzw. Sommergerste-Hafer-Gemenge im Herbst 2005 angelegt.


  15.10.2005

Am 08.09.2005 habe ich das Feld gepflügt, dann erfolgte am 10.09. die Saatbeetbereitung mit der Kreiselegge, die Drillsaat des Winterroggens (170 kg/ha) und dann noch die Rückverfestigung mit der Cambrigewalze. Die Saatbedingungen waren gut, die Witterung danach etwas zu kühl und regnerisch.

Der Roggen hatte sich bis zum Wintereinbruch zu wenig entwickelt, die Saat hätte etwas früher erfolgen dürfen und der Roggen hätte warscheinlich etwas mehr Nährstoffe benötigt. Die etwas schwache Entwicklung wurde wahrscheinlich auch durch die kühle Herbstwitterung verursacht.

  15.04.2006

Der sehr lange und schneereiche Winter konnte dem Roggen zwar nichts anhaben, aber bis Mitte April war auch keinerlei Wachstum zu erkennen.

  29.04.2006

Am 26.04.2006 habe ich mich dann entschlossen den Roggen mit der Fräse umzubrechen. Allerdings wollte ich meinen Versuch nicht ganz abbrechen und habe deshalb auf einem Teilstück von ca. einem halben Hektar den Roggen stehen lassen.
Der Umbruch erfolgte mit ca. 5-7 cm tiefe aber nur sehr flach, damit noch möglichst viel organische Substanz an der Oberfläche verbleibt. Eine tiefe Lockerung erfolgte bereits im Herbst mit der Pflugfurche vor der Saat des Roggens. Am 01.05.2006 erfolgte noch ein Arbeitsgang mit dem Kultivator, damit die noch nicht vertrockneten Roggenpflanzen nach oben geholt werden, die dann bei der relativ trockenen Witterung auch gut vertrocknet sind. Die Saat erfolgte am 02.05. mit einer Einzelkornsämaschine die mit Scheibenscharr ausgestattet war. Diese leistete gute Arbeit bei trockenem Boden und unterschiedlichen Bodenverhältnissen (gefräst und noch stehender Roggen). Am 04.05.2006 habe ich den noch stehenden Roggen dann mit meiner umgebauten Walze nieder gewalzt. Die Wirkung war leider sehr mangelhaft, denn der Boden war durch die Trockenheit steinhart, die Fahrspuren von der Herbstsaat waren zu tief und der Roggen war noch lange nicht in der Phase des Ährenschiebens. Das ganze bewirkte nur, dass der Roggen dann zum Teil wieder aufgestanden ist oder aber wo ich ihn niederwalzen konnte ist er dann umso stärker Bestockt und recht rasch weiter gewachsen.

  13.05.2006

Auf Grund der der Trockenheit nach der Saat war die flache Bodenbearbeitung und die tiefe Saat (6 cm) sehr von Vorteil. Dadurch hatte die Maissaat guten Bodenschluss und genügend Feuchtigkeit zur Verfügung. Am 13.05. waren bereits die ersten Maispflanzen zu sehen.

  13.05.2006

Durch die Trockenheit haben sich aber in dem Teilstück mit dem nicht umbebrochenem Roggen die Säschlitze wieder geöffnet. Auf diesem Bild (in der Bildmitte) kann man das frei liegende Maiskorn sehen. Der Aufgang war dadurch sehr ungleichmässig und aber, im Vergleich zum bearbeitetem Feldstück, auch verzögert.

  21.05.2006

Am 20.05.2006 habe ich den Roggen gemulcht. Der Roggenbestand war zu diesem Zeitpunkt so dicht, dass der Mais keinerlei Chance gehabt hätte sich zu behaupten. Der Entwicklungsstand vom Mais im bearbeitetem Stück war zu diesem Zeitpunkt gut, im Feldstück mit dem Roggen war er etwas zurück geblieben. Allerdings trotz des hohen Konkurrenzdruck durch den Roggen erstaunlich gut und vorallem lückenlos aufgelaufen.

  10.06.2006

Das Mulchen brachte nicht den gewünschten Erfolg. Der Roggen war danach zwar etwas dünner, aber er ist trotzdem wieder nachgewachsen. Somit musste ich am 10.06. im Zuge der chemischen Unkrautbekämpfung den Roggen mit bekämpfen (zu diesem Zeitpunkt bewirtschaftete ich den Betrieb noch konventionell).

  10.06.2006

Die Maispflanzen im Roggen hatten zwar die gleichen Wuchshöhe wie die in dem bearbeiteten Feldstück, aber sie hatten wesentlich dünnere Stengel und Blätter.

  01.07.2006

Auf diesem Bild sieht man deutlich den Entwicklungsrückstand, wobei die Wuchshöhe zu diesem Zeitpunkt fast identisch war.

  01.07.2006

Auf diesem Bild sieht man das, was ich nicht haben will: Einen Boden der verwaschen, ausgebleicht, trocken und rissig ist. Das sind für mich ein Kennzeichen falschen Wirtschaftsweise und in der Folge ein lebloser Boden.

  03.10.2006

Als ich die hervorragende Bodenbedeckung durch das Roggenstroh sah, war für mich klar, dass das für mich der richtige Weg ist. Dieser Anblick entschädigte mich für den ganzen Aufwand und Kummer den ich mit dem Roggen davor hatte. Es ist mit Sicherheit noch nicht gut so, denn die Wachstumshemmung der Hauptkultur Mais ist viel zu stark. Die Bodenbedeckung ist aber so wie ich sie mir wünsche, im Herbst den freien Stickstoff aufnehmen, ihn somit vor der Auswaschung schützen und der Folgekultur zur Verfügung stellen. Im Winter, im Frühjahr und im Sommer durchgehend immer eine ausreichende Bodenbedeckung, das ist mein Ziel beim Maisanbau.

  03.10.2006

Man sah ganz deutlich, wenn man das Roggentroh bei Seite räumte, dass der Regenwurm unter der dichten Mulchdecke sehr aktiv war: Viele kleine Regenwurmkothaufen. Der Boden selbst ist feucht und sieht lebendig aus.

  03.10.2006

Ganz anders auf diesem Bild hier in dem Feldstück das umgefräst wurde: Von der organischen Substanz ist nicht mehr viel übrig und der Boden sieht leblos und verwaschen aus.

Schlussfolgerung:

Die Entwicklung des Maisbestandes im Roggen, besonders zu Beginn, bereitete mir schon etwas Sorgen. Allerdings im Juli während der grossen Hitze und Trockenheit konnte er einiges an Rückstand aufholen. Der Mais war dann bis zum Schluss deutlich kleiner und nicht so dicht im Bewuchs. Leider konnte ich dann aus Mangel an Zeit und weil wir zu wenige Anhäger für die Ernte hatten, die beiden Teilstücke nicht getrennt beernten. Aber laut Mähdrescherfahrer, war im Ertrag kein zu grosser Unterschied der beiden Teilstücke zu erkennen. Auch der Gesamtertrag von 117 dt/ha Nassware war für unsere Verhältnisse normal.
Der ganze Versuch war sehr gewagt, viele Leute haben mir davon abgeraten, aber wenn es um Umweltschutz geht und man die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder sogar steigern kann, dann muss man von den konventionellen Methoden etwas abweichen. Für mich war dieser, mehr oder minder erfolgreiche Versuch nur der erste Schritt zu weiteren Anbauversuchen.



© 2004 - 2016 Albert Brandmair