Winterweizen mit Untersaaten 2


Mischfruchtanbau ist für mich die bessere Form des Ackerbaus, Monokultur nützt aus meiner Sicht, die vorhandenen Ressourcen zu wenig aus. Die Gemengepartner sollten so gewählt werden, dass sie sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Am Beispiel von Winterweizen: Man kann Leindotter und Weissklee als Mischungspartner verwenden. Der Leindotter läuft sehr schnell auf, behindert den Weizen nicht in seiner Entwicklung und der Weissklee kann sich erst etablieren, wenn der Weizen mit der Abreife beginnt. Somit wird die einfallende Sonnenenergie vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst voll ausgenützt. Würde man zum Beispiel erst nach der Weizenernte eine Zwischenfrucht aussäen, würde die einfallende Sonnenenergie in den beiden Sommermonaten Juli und August mit der höchsten Intensität an Sonnenstrahlung fast ungenutzt bleiben. Denn im Juli beginnt der Weizen mit der Abreife, benötigt also das Sonnenlicht nicht mehr für Wachstum, Anfang August wird er geerntet und bis sich dann eine Zwischenfrucht etabliert hat, ist es schon September.

Mein Grundsatz: Düngen heisst, Sonnenenergie im Boden speichern.

Auch sollte eine Mischfruchtgemenge so gewählt sein, dass die Bodenbeschattung so stark ist, dass eine Unkrautbekämpfung im Bestand nicht nötig ist, aber auch eine höhere Ertragsstabilität ist ein Grund für den Gemengeanbau. Hat ein Mischungspartner schlechte Bedingungen und kann sich im Bestand nicht etablieren, sollten sich die anderen dafür um so mehr behaupten. In dieser Mischung verwendete ich zu Winterweizen sowohl Deck- als auch Untersaaten. Winterweizen der Sorte Ludwig (180 kg/ha) hatte sich bei uns im konventionellen Anbau bewährt, seit der Umstellung auf Bio verwende ich allerdings nur noch Capo. Als Deckfrüchte verwendete ich Senf (3,5 kg/ha) und Leindotter (Calena, 4 kg/ha), diese sollten eigentlich im Winter abfrieren, aber aufgrund des sehr milden Winters ist das nicht geschehen. Die Untersaatenmischung bestand aus Gräsern und Leguminosen die im Herbst noch als Futter für die Mastfärsen genutzt wurden: Luzerne (Luzelle 4,5 kg/ha), Weissklee (Lirepa 4 kg/ha), Wiesenrispe (Oxfort, 3 kg/ha) und Rohrschwingel (Tomahawk, 3 kg/ha). Saattermin war der 11.10.2006, nach Pflugfurche und Kultivator. Der Weizen wurde gedrillt, die Deckfrüchte und die Untersaaten mit dem Düngerstreuer in zwei Arbeitsgängen vor dem Walzen ohne Einarbeitung ausgebracht.

  01.11.2006
Der Winterweizen und die Deckfrüchte Leindotter und Senf sind gut aufgelaufen, allerdings war mir die Bodenbedeckung viel zu gering. Die Untersaaten waren nicht zu sehen, ich dachte schon, dasss sie aufgrund der Trockenheit nicht auflaufen würden.

  17.02.2007
Im Fühjahr kam dann die Überraschung, Senf und Leindotter sind im Winter nicht erfroren. Der Bestand hat mir zwar gut gefallen, aber ich hatte bedenken, dass der Weizen unterdrückt wird. Die Untersaaten waren so gut wie nicht zu finden.

  18.04.2007
Auf dem Bild sieht man den Senf und den Leindotter gerade in der Blüte. Der Bestand hat sich sehr gut entwickelt, ist sehr dicht und hat das Unkraut sehr gut unterdrückt. Auf eine Unkrautbekämpfung konnte ich verzichten.

  01.05.2007
Erst jetzt kann man die Untersaaten beim genauen hinsehen finden.

  03.06.2007
Der Winterweizenbestand ist sehr sauber und gesund, der Senf und der Leindotter verschwinden aus dem Bestand. In einem Wintergetreidebestand sind sie nicht zum ernten geeignet, denn sie werden viel zu früh reif und sind bereits vor der Ernte zum Teil ausgefallen.

  29.06.2007
Das Feld zwei Wochen vor der Ernte, erst jetzt, nachdem der Weizen abgereift ist, beginnen sich die Untersaaten zu etablieren.

  23.07.2007
Bereits eine Woche nach der Ernte hat sich wieder eine geschlossene Pflanzendecke gebildete, das Stroh wurde abgefahren.

  26.08.2007
Am 23.07.2007 habe ich das Feld gemulcht, damit es gleichmässiger wächst, die Strohstoppeln zerkleinert werden und ich den Aufwuchs als Futter nutzen kann. Bereits 5 Wochen danach hat sich wieder ein schöner Ackerfutterbestand gebildet.

  22.09.2007
Ende September haben wir dann den gesamten Aufwuchs noch an die Mastfärsen verfüttern können.

Schlussfolgerung:

Obwohl die Deckfüchte nicht erfroren sind, hat sich daraus ein sehr schöner Weizenbestand entwickelt, meine Befürchtung der Senf und der Leindotter würden den Weizen in seiner Entwicklung behindern, hat sich nicht bewahrheitet. Auch die Untersaatenmischung hat sich hervorragend entwickelt, nur schade, dass ich sie bereits im darauf folgendem Frühjahr umbrechen musste. Besser wäre es sicher, das Feld ein ganzes Jahr lang als Ackerfutter zu nutzen, denn die Mischung ist relativ teuer und zum umbrechen einfach zu schade. Die Mischung hat sich schon mehrmals bei mir bewährt und ich werde sie weiter verwenden. Der Getreideertrag lag auf diesem Feld bei ca. 40 dt/ha.




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