Sommergerste mit Leindotter und Weisskleeuntersaat


Der Wintergetreideanbau ist mit Untersaaten problemlos möglich, allerdings aus Gründen der Fruchtfolge brauche ich auch Sommergetreide, und das ist aber etwas schwieriger. Sommergerste ist sehr konkurrenzschwach und niedrig wachsend, sie wird somit leicht von Unkraut oder Untersaaten überwuchert. Der Sommergerstenanbau ist zwar möglich, aber nicht so einfach und unproblematisch wie Wintergetreide. Ich kann hier zum Beispiel nicht meine Acker­futter­mischung als Untersaat verwenden.

Als Standarduntersaaten in der Sommergerste verwende ich Leindotter und Weissklee.
Der Leindotter läuft sehr schnell auf und bildet eine Blattrosette aus, dadurch wird das Auflaufen des Unkrautes unterdrückt. Er soll ausserdem die Gerste etwas stützen, denn diese neigt bei der Abreife zum zusammenbrechen. Dadurch lässt sie sich sehr schlecht dreschen, die Verluste können sehr hoch sein und ausserdem besteht die Gefahr, wenn die Ähren am Boden liegen, dass das Korn zu keimen beginnt.
Der Weissklee verhindert die Spätverunkrautung und hat auch noch die Aufgabe einer Zwischenfrucht nach der Gerstenernte. Ausserdem soll er den Boden durch sein starkes Wurzelwerk stabilisieren und festigen, damit die Bodenverdichtung durch den Mähdrescher veringert wird.

Als Vorfrucht hatte ich Winterweizen mit Weisskleeuntersaat, die Stoppelbearbeitung erfolgte mit Grubber und Kultivator. Den Senf (27 kg/ha) als abfrierende Zwischenfrucht habe ich in Breitsaat mit den Düngerstreuer ausgebracht (12.09.2010) und nur mit der Cambrigewalze angewalzt. Den Senf säe ich etwas später als üblich aus, dadurch kann ich das Feld mehrmals im Abstand von einigen Tagen mit dem Grubber und dem Kultivator bearbeiten. Durch diese Methode bringe ich Ausfallgetreide und Unkrautsamen zum keimen und Wurzelunkräuter werden effektiv bekämpft. Vor der Sommergerstensaat wurde das Feld zweimal mit dem Kultivator flach bearbeitet, damit der abgefrorene Senf etwas zerkleinert wird und Unkraut, dass nicht abgefroren ist, herausgerissen und an der Oberfläche abgelegt wird. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, dass das Saatbeet nur flach bearbeitet wird, damit keine neuen Unkrautsamen von unten an die Oberfläche geholt werden, denn die Unkrautsamen die oberflächlich im Boden sind, haben schon gekeimt.

Die Sommergerste (Ria 160 kg/ha) wurde zusammen mit dem Leindotter (Calena 6,7 kg/ha) und dem Weissklee (Lirepa ca. 2,3 kg/ha) in einem Arbeitsgang am 16.03.2011 gesät. Meine Sämaschine ist eine einfache mechanische Drillmaschine, an die ich einen zweiten Säkasten angebaut habe. Dieser wird unabhängig vom ersten angetrieben und das Saatgut fällt vor dem Striegel auf den Boden. Es hat sich gezeigt, dass die Einarbeitung der Untersaaten mit dem Striegel in der Regel ausreichend ist. Danach wird noch mit der Camebrigewalze angewalzt.

  14.11.2010
So sieht die abfrierende Zwischenfrucht Senf aus, der Pflanzenbestand ist sehr dicht, damit das letzte Ausfallgetreide und das Unkraut unterdrückt wird. Bei einer sehr frühen Saat besteht die Gefahr, dass der Senf noch versucht zur Blüte zu kommen und dadurch weniger Blattmasse ausbildet, wodurch die Unkrautunterdrückung zu gering ist, weil der Boden zu weinig beschattet wird. Der Senf war ca. 30 cm hoch, bevor er abgefroren ist.

  02.04.2011
Vor der Saat wurde das Feld zweimal im Abstand von drei Tagen mit dem Kultivator bearbeitet. Man kann noch sehr deutlich die Reste vom abgefrorenem Senf erkennen, die an der Oberfläche liegen, den Boden ein wenig bedecken und dem Regenwurm als Futter zur Verfügung stehen.
Am 16.03.2011 wurde in einem Arbeitsgang die Gerste zusammen mit dem Leindotter und dem Weissklee, mit meiner umgebauten Sämaschine, ausgesät. Die Gerste und der Leindotter sind schon gut zu sehen, der Weissklee läuft langsamer auf, er ist noch kaum zu sehen.

  15.04.2011
Man sieht sehr deutlich, wie stark die Bodenbedeckung durch den Leindotter ist, wenn man die Blattfläche des Leindotter und der Gerste vergleicht.

  06.05.2011
Erst jetzt hat die Gerste eine nennenswerte Bodenbedeckung, der Leindotter allerdings verliert seine bodenbedeckende Blattrosette und beginnt mit dem Längenwachstum, das geprägt ist durch wenige Blätter am Stengel, dadurch behindert er die Gerste nicht in ihrer Entwicklung.

  21.05.2011
Die Gerste hat einen dichten, fast unkrautfreien Bestand gebildet, der Leindotter ist in der Blüte.

  21.05.2011
Der Weissklee ist zwar noch sehr klein, aber schon gut sichtbar und gleichmässig im Bestand vorhanden. Im Gegensatz zum Leindotter, hat der Weissklee eine sehr langsame jung Entwicklung, seine Aufgabe ist es, die Spätverunkrautung zu verhindern. Ab diesem Stadium ist es sehr wichtig, dass der Gerstenbestand sehr dicht ist. Wen sie zu dünn ist, weil sie zu dünn gesät wurde, oder die Nährstoffversorgung nicht ausreichend ist, dann überwuchert der Weissklee den kompletten Bestand und es ist nicht mehr möglich die Gerste zu beernten.

  10.06.2011
Die Gerste hat die Ähren bereits ausgebildet, vom Leindotter sind nur noch die Schoten zu sehen, seine Blätter hat er bereits alle verloren und er beginnt mit der Abreife.

  27.6.2011
Man sieht den schönen Gerstenbestand, der fast Unkrautfrei ist. Vom Leindotter sieht man oberflächlich nichts mehr, er besteht nur noch aus Stengeln und Schoten und wurde von der Gerste überwachsen. Der Leindotter reift früher ab als die Gerste, somit bestimmt die Gerste den Erntezeitpunkt. Die Leindotterschoten bleiben aber geschlossen, dadurch fallen die Samen nicht aus.

  12.07.2011
Die Gerste beginnt mit der Abreife und lässt wieder Licht nach unten durch. Dadurch kann sich nun der Weissklee entwickeln. Bei den konventionellen Nachbarn, ist die Gerste bis zur Ernte komplett zusammen gebrochen und war schwierig zu beernten. Bei mir stand die Gerste noch aufrecht da, dank der Stützwirkung des Leindotters mit seinen starren Stängeln.

  26.07.2011
Am Tag der Ernte hat der Weissklee zwar einen niedrigen aber bereits dichten Bestand ausgebildet, obwohl er anfangs durch den Leindotter und später durch die Gerste beschattet wurde und die Saatstärke nur 2,3 kg/ha betrug.

  26.07.2011
Zur Ernte hatte der Weissklee den Boden bereits sehr stark durchwurzelt und schon Knöllchen angesetzt. Das ist der Vorteil einer Untersaat, zum Zeitpunkt der Ernte hat sie bereits einen etablierten Bestand ausgebildet. Da könnte eine Zwischenfrucht, die nach der Ernte erst ausgesät wird, nicht mithalten.

  20.08.2011
Der Weissklee hat einen sehr dichten und unkrautfreien Bestand ausgebildet

  20.08.2011
Den Weisklee habe ich gemulcht, er war 20-30 cm hoch und zum Teil bereits in der Blüte, somit wertvoll für die Bienen als Futterquelle. Am 25.08.2011 habe ich ihn umgebrochen und am 24.09.2011 Winterroggen gesät.

Schlussfolgerung:

Der Anbau von Winterweizen oder Winterroggen ist ohne direkte Unkrautbekämpfung problemlos möglich. Allerdings hat die Sommergerste bei weitem nicht die Konkurrenzkraft wie Weizen oder Roggen. Auch das Lägenwachstum ist wesentlich geringer. Mit Leindotter als Stützfrucht, der der Gerste auch noch am Anfang durch Bodenbeschattung bei der Unkrautunterdrückung hilft und dem Weissklee, der eine Spätverunkrautung verhindert, glaube ich, das Problem ganz gut im Griff zu haben.
Die Gerste konnte als Braugerste vermarket werden und der Ertrag lag bei 23,3 dt/ha. Das dürfte noch etwas mehr sein, allerdings haben wir nur sehr schwache Standorte und konventionell lag der Ertrag auch nur bei ca. 35 dt/ha. Wenn man dann noch den Ertrag von 5 dt/ha Leindotter berücksicktigt, ist der Gesamtertrag allerdings sehr gut.




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