Mulchverfahren beim Gemüse


Mulchen beim Gemüse erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, den Gemüse ist nun mal eine sehr empfindliche Feldfrucht, man sagt nicht um sonst Feingemüse dazu.

Das fängt an bei der Auswahl des Mulchmaterials, Heu und Stroh, zu feines aber auch zu grobes Material sind nicht geeignet. Auch sollte es nicht nur Klee oder andere Leguminosen sein, die würden zu schnell verrotten. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass es an besten mit Kleegras geht, ca. 30 bis 50 % Klee und der Rest Gras, denn das Kohlenstoff-Stickstoffverhältnis sollte im richtigen Verhältnis sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Wurzelunkräuter, die lassen sich nicht gut bis gar nicht mit einer Mulchschicht unterdrücken. Auch solte man das bereits aufgelaufene Unkraut durch eine flache Bodenbearbeitung vor dem Aufbringen der Mulchauflage zerstören, flach deswegen, weil durch eine tiefe Bearbeitung wieder neue Unkrautsamen von unten heraufgeholt werden.

Der Mulch sollte sehr locker aufliegen, das ist wichtig, denn der Boden muss immer die Möglichkeit zum Luftaustausch haben. Der Boden atmet nämlich, nimmt Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Wäre die Mulchschicht zu dick, würde sie zu faulen anfangen. Ist das Material zu feucht oder die Witterung zu nass, sollte man lieber die Mulchschicht in mehreren Schichten aufbringen, im Abstand von ein paar Tagen. Die Mulchschicht sollte aber am Ende nicht zu dünn sein, damit sie auch wirklich den Boden bedeckt, ein nachträgliches bearbeiten des Boden ist dann nicht mehr möglich, weil Hackgerät und Striegel verstopfen würden. Man muss also sehr sorgfältig und gewissenhaft arbeiten, damit das Unkraut auch wirklich unterdrückt wird und die Mulchauflage seine Wirkung voll entfalten kann. Ich habe das Kleegras mit dem Ladewagen eingefahren, durch das Selierschneidewerk wurde es kurz geschnitten, damit es beim ausbringen und im Herbst beim einarbeiten keine Probleme gibt und habe es dann von Hand oder aber mit dem Miststreuer aufgebracht. Wichtig ist, dass es locker und gleichmässig verteilt wird.

Mittlerweile weiss man, dass sich die Pflanzenwurzeln ihre benötigten Nährstoffe auch direkt aus dem Mulch herausnehmen. Die Pflanze wartet nicht bis der Mulch vollständig zersetzt ist, sondern nimmt sich auch komplette Pflanzenbausteine aus der verrottenden Mulchschicht heraus.
Bei meinen Versuchen konnte ich jedes mal beobachten, dass die Pflanzen mit ihren feinen weissen Fadenwurzeln die Bodenoberfläche unter der Mulchschicht überzogen haben und auch in die Mulchschicht hinein gewachsen sind.

Durch das Mulchen hat das Gemüse keinen Bodenkontakt, es bleibt sauber und bei Salat hat man nicht das Problem, dass nach einem Starkregenfall zwischen den Blättern Humus ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich das Mulchverfahren mittlerweile ganz gut im Griff, es erfordert viel Erfahrung und Feingefühl, am Anfang auch etwas mehr Arbeit, das macht sich aber sehr schnell wieder bezahlt, denn man hat danach weniger Arbeit mit hacken.
Meine Beobachtungen haben gezeigt, dass der Boden durch das Mulchverfahren nach der Ernte fruchtbarer ist als noch im Frühjahr zur Pflanzung. Gemüsebau ohne Hacken, einen sehr guten Ernteertrag und dabei auch noch die Bodenfruchtbarkeit steigern, so sieht für mich gute Landwirtschaft aus.




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